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Wie bekomme ich meine Nerven in den Griff?
Das fragen sich wohl viele Golfer! Ich kenne kaum eine andere Sportart, in welcher der mentale Part eine derart große Rolle spielt. Das mag zum einen an der großen Zeitspanne zwischen den Schlägen und der damit verbundenen langen Reflektionszeit liegen, zum anderen aber auch am komplexen Zusammenspiel zwischen Mensch, Motorik und Psyche in dieser technisch doch sehr anspruchsvollen Sportart. Wie kann ich lernen mit Störfaktoren wie Wind, Zuschauer, Flightpartner, schlechten vorangegangenen Ergebnissen und dergleichen umzugehen? Ein ganz entscheidender Faktor hierfür ist der Aufbau einer konstanten Routine (PPR-Pre-Performance Routine) vor der Schlagausführung. Wenn Sie Tourspieler live oder im Fernsehen beobachten, werden Sie feststellen, dass die Spieler sich zwar in der Schlagvorbereitung hinsichtlich ihres Rituals oder in der benötigten Zeit unterscheiden, innerhalb ihrer Routine aber größte Präzision in den oben erwähnten Punkten aufweisen. Viele Studien haben den positiven Effekt einer ritualisierten Schlagvorbereitung gezeigt. Wie können Sie davon profitieren? Eine gute Pre-Performance Routine könnte folgendermaßen aussehen: - vor dem Schlag: stehen Sie auf der verlängerten Ball-Ziel-Linie ein paar Meter hinter dem Ball und fixieren Sie ihr persönliches Ziel (ev. mit dem Schläger das Ziel anvisieren)
- stellen Sie sich im Geiste den Ballflug vor
- machen Sie ein bis zwei Probeschwünge mit dem primären Ziel ein gutes Schwunggefühl bzw. guten -rhythmus und eine lockere, entspannte Muskulatur zu erzeugen
- achten Sie dabei stets auf eine gute, tiefgehende und gleichmäßige Atmung
- gehen Sie entschlossen zum Ball und nehmen Sie die gewohnte Position ein
- schauen Sie noch ein bis zweimal zum Ziel, machen ggfs. noch ein paar "Waggles" um letzte muskuläre Anspannungen zu beseitigen
- führen Sie den Schwung voller Vertrauen und ohne Zweifel durch!
Was hier relativ einfach klingt, benötigt viel Arbeit und Wiederholungen. Rituale schaffen Sicherheit, da sie ein gewisses Gefühl von Vertrautheit hervorrufen und von eventuellen Störfaktoren ablenken. Probieren Sie es aus und beobachten Sie Ihre neue Routine zunächst in Trainingsrunden! Viel Erfolg dabei wünscht Ihnen Markus Teubner
Referenzen Beauchamp, P.H., Halliwell, W.R., Fournier, J.F., & Koestner, R. (1996). Effects of cognitive-behavioral psychological skills training on the motivation, preparation, and putting performance of novice golfers. The Sport Psychologist, 10, 157–170.
Boutcher, S.H. (1990). The role of performance routines in sport. In G. Jones & L. Hardy (Eds.), Stress and performance in sport (pp. 231–245). Chichester, UK: Wiley.
Jackson, R.C., Ashford, K.J., & Norsworthy, G. (2006). Attentional focus, dispositional reinvestment, and skilled motor performance under pressure. Journal of Sport & Exercise Psychology, 28, 49–68.
Mesagno, C., Marchant, D., & Morris, T. (2008). A Pre-Performance Routine to Alleviate Choking in “Choking-Susceptible” Athletes. The Sports Psychologist, 22, 439-457. |